Die Betreiber der Schweizer Kernkraftwerke sind gemäss Kernenergiegesetz verpflichtet, ihre Anlagen nach der definitiven Ausserbetriebnahme bis zur grünen Wiese zurückzubauen, alle aus dem vorangegangenen Betrieb und dem Rückbau anfallenden radioaktiven Abfälle sicher in geologischen Tiefenlagern zu entsorgen und sämtliche damit verbundenen Kosten zu tragen. 

Zurück zur grünen Wiese

Am Ende des Stilllegungsprozesses eines Kernkraftwerkes sieht das Areal wieder aus wie vor dem Bau des Kraftwerkes. Die gesamte Stilllegung, einschliesslich der Nachbetriebsphase, dauert 15 bis 20 Jahre. Auch in dieser Zeit wird die Sicherheit von den Behörden überwacht und bleibt während des gesamten Rückbaus gewährleistet. 

Die Schweiz wird in absehbarer Zeit die Planung des ersten Kraftkraftwerkrückbaus an die Hand nehmen. Sie kann dabei von der Erfahrung im Ausland profitieren. In den USA sind bis heute rund ein Dutzend Kernkraftwerke zur grünen Wiese zurückgebaut worden. Der erste vollständige Rückbau in Europa – die Demontage des 1974 stillgelegten Kernkraftwerks Niederaichbach in Bayern – begann 1987 und wurde 1995 abgeschlossen.

In der Schweiz wird das Kernkraftwerk Mühleberg als erste der fünf Anlagen 2019 ausser Betrieb gehen. Bis 2030 sollen auf dem ehemaligen Kernkraftwerksgelände wieder Kühe weiden. Mehr dazu erfahren Sie bei der Betreiberin BKW Energie AG.

Nach dem Rückbau eines Kernkraftwerks ist das Gelände wieder in seinem ursprünglichen Zustand.
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Langfristige kontrollierte Finanzierung

Die finanziellen Mittel für die Rückbauarbeiten zahlen die Betreiber der Schweizer Kernkraftwerke bereits während des Betriebs in Fonds ein. Der weitaus grösste Teil des Abbruchmaterials bei Stilllegung und Rückbau ist zwar nicht radioaktiv. Doch die anfallenden schwach und mittel radioaktiven Abfälle müssen sachgerecht entsorgt werden. Auch die Kosten für die Entsorgung dieser Abfälle sparen die Kernkraftwerkbetreiber bereits während des Betriebs der Anlagen im Stilllegungs- und Entsorgungsfonds an.  

Beim Schätzen der zukünftigen Kosten für den Rückbau der Kernkraftwerke orientiert man sich an den Erfahrungswerten Deutschlands. Die in der Schweiz zu erwartenden Kosten werden unter Aufsicht des Bundes alle fünf Jahre im Rahmen von Kostenstudien nach dem aktuellen Stand des Wissens neu geschätzt. Mehr Informationen zur Finanzierung finden Sie hier.

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Überwachte Abfallentsorgung

Nach der endgültigen Ausserbetriebnahme eines Kernkraftwerks beginnt die Nachbetriebsphase. Sie dauert etwa fünf Jahre, läuft noch unter der Betriebsbewilligung und dient der Vorbereitung der eigentlichen Stilllegung. In dieser Zeit werden die Brennelemente aus dem Reaktordruckbehälter und den Abklingbecken entladen, in Transportbehälter verpackt und in das Zwilag gebracht, sodass kein hochaktives Material mehr in der Anlage bleibt. Ebenso werden die schwach- und mittelaktiven Betriebsabfälle entsorgt. 

Nach der Prüfung der Unterlagen zum Stilllegungsprojekt erlässt das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) die Stilllegungsverfügung. Damit beginnt die Demontage der Anlage. Ein grosser Teil der Anlage – jene Komponenten und Gebäude, in denen keine Radioaktivität auftritt – wird auf konventionelle Art zurückgebaut. Aus diesen Anlageteilen stammt weit mehr als die Hälfte des anfallenden Materials. Es kann ohne spezielle Behandlung wiederverwertet oder entsorgt werden.  

Viele Komponenten aus dem nuklearen Teil der Anlage können gereinigt und danach ebenfalls konventionell entsorgt werden. Am Schluss ist nur noch ein sehr geringer Teil des Rückbaumaterials radioaktiv. Es wird als schwach- oder mittelaktiver Abfall, bei Bedarf nach einer Zwischenlagerung, in ein geologisches Tiefenlager gebracht.

Aus Rückbau und Stilllegung entstehen nur wenige, schwach- und mittelaktive Abfälle.

Der Rückbau der kontrollierten Zone (Reaktor- und Hilfsanlagengebäude, bei Mühleberg und Leibstadt auch das Maschinenhaus) ist etwas komplexer. Hier gibt die Aufsichtsbehörde die Arbeiten schrittweise frei. Der Rückbau der Komponenten in der kontrollierten Zone wird bewusst von innen nach aussen durchgeführt. Der Sicherheitsbehälter (Containment) bleibt dadurch so lange wie nötig intakt und dient weiterhin als Barriere gegen die Freisetzung von radioaktiven Stoffen. Auch die Systeme zur Überwachung der Radioaktivität inner- und ausserhalb der Anlage bleiben weiterhin aktiv.

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Demontage in Etappen

Der Rückbau der kontrollierten Zone findet in drei Schritten statt: 

Demontage von kontaminierten Systemen und Komponenten (Phase I): Der Ausbau von Bauteilen wie Flutwasserbehälter, Regelstabführungen oder Druckspeicher schafft Platz für spätere Arbeiten. Die Demontage von Grosskomponenten wird vorbereitet. Bei Siedewasserreaktoren werden auch die Turbinen und andere Anlagen im Maschinenhaus ausgebaut. Grosse Anlagenteile wie die Dampferzeuger oder das Primärkühlsystem mit seinen Pumpen und Leitungen werden entfernt. 

Demontage von aktivierten Komponenten (Phase II): Der Reaktordruckbehälter und die umliegende Betonabschirmung, der sogenannte biologische Schild, sind die strahlenmässig am stärksten belasteten Komponenten eines Kernkraftwerks. Sie sind während des Betriebs aktiviert worden und nun selbst radioaktiv. Diese Aktivität kann nicht durch Reinigung entfernt werden. 

Abbau der restlichen Einbauten (Phase III): Die Krananlagen und weitere Systeme, die zuvor für den Rückbau benötigt wurden, werden entfernt. Zuletzt werden die Abwasser- und Abluftaufbereitungsanlagen demontiert.

Der Rückbau von Kernkraftwerken findet in drei Etappen über 15 bis 20 Jahre statt.

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