Zahlen und Fakten zum Betrieb von Kernkraftwerken

Folgende Faktoren bestimmen weitgehend die Gestehungskosten pro Kilowattstunde Strom aus einem Kernkraftwerk:

  • die Auslastung
  • die Bau- beziehungsweise Kapitalkosten. Sie sinken umso tiefer, je länger die Anlage betrieben werden kann.
  • die Betriebskosten  
  • die Brennstoffkosten. Sie bestehen zu zwei Dritteln aus den Kosten für die Entsorgung. Dank grosser weltweiter Ressourcen und kleinem Jahresbedarf sind die Kosten für den Rohstoff Uran gering. Viel stärker ins Gewicht fallen die Anreicherung, die Fertigung der Brennelemente und vor allem ihre Entsorgung: Sie ist doppelt so teuer wie die Beschaffung.

Alle diese Faktoren lassen sich langfristig und zuverlässig berechnen.


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Verfügbar rund um die Uhr im Dienst der Schweizer Stromkonsumenten: Lichtkunst am Kühlturm des Kernkraftwerks Gösgen. (Bild: KKG)

Auch moderne Kernkraftwerke sind wirtschaftlich

Trotz vergleichsweiser hoher Baukosten und permanenter Investitionen in die Sicherheit sind Kernkraftwerke vergleichsweise wirtschaftlich. Die anfänglich hohe Investition – 1979 waren es 2 Milliarden Franken für Gösgen und fünf Jahre später 4,8 Milliarden Franken für Leibstadt – hat über Jahrzehnte zuverlässig Ertrag abgeworfen. Die Gestehungskosten der betriebsälteren Schweizer Anlagen sind über die fast 50 Jahre von anfänglich zirka sechs auf durchschnittlich vier Rappen gesunken.

1 3 2a Grafik Stromgestehungskosten heute 2035 d
Kernenergie bleibt auch in Zukunft günstig.

Trotz attraktiv tiefer Gestehungskosten steht die Schweizer Kernenergie aktuell am Rande der Wirtschaftlichkeit. Denn sie muss gegen hoch subventionierten Wind- und Solarstrom aus Deutschland bestehen, der den Markt phasenweise flutet. Wenn dieser stark vergünstigte Strom kaum Abnehmer findet – die Produktion von Sonnen- und Windstrom kann nicht bedarfsgerecht gesteuert werden – so sinken die Strompreise in den Keller. Dies beeinträchtigt nicht nur die Wirtschaftlichkeit der Schweizer Kernenergie, sondern auch der Schweizer Wasserkraft.

Für moderne Kernkraftwerke, wie sie sich heute im Bau befinden, rechnen Fachleute mit Produktionskosten von knapp sechs bis etwas über sieben Rappen pro Kilowattstunde. Vorausgesetzt, die gesellschaftlichen und gesetzlich-regulatorischen Rahmenbedingungen sind stabil und klar.

Planungssicherheit dank stabilen Stromkosten

Anders als Erdgas und Erdöl bietet Atomstrom Unternehmen Stabilität für die Zukunft, da sie ihre Energiekosten zuverlässig und langfristig planen können. Denn Atomstrom ist sehr preisstabil.

1 3 2b Grafik Kostenstruktur KKG 2017 d
Die Betriebskosten sind der grösste Kostenfaktor im Atomstrom.

Selbst wenn sich der Uranpreis verdoppeln würde, verteuert sich Atomstrom um maximal 0,5 Rappen pro Kilowattstunde, also um fünf bis zehn Prozent. Ganz anders bei Gaskraftwerken: Dort hängt der Strompreis stark vom Gaspreis ab, da der Rohstoff Gas bis zu 70 Prozent der entsprechend volatilen Produktionskosten ausmacht.

Gezielte Investitionen in die bestehenden Anlagen

Seit ihrer Inbetriebnahme wurden die Schweizer Kernkraftwerke sorgfältig gewartet und laufend modernisiert. In den vergangenen 20 Jahren haben sie ihre jährliche Stromproduktion um rund fünf Milliarden Kilowattstunden gesteigert – das entspricht etwa einem Zehntel des Schweizer Stromverbrauchs.

KKG Revision 27 Montage des oberen Innengehaeuses der Hochdruckturbine
Erneuerung der Hochdruckturbinen im KKG im Jahr 2013. Bild Bernhard Strahm, KKW Gösgen (Bild: KKG)

Alle Kernkraftwerke müssen dem Stand der Technik entsprechen und werden laufend sicherheitstechnisch modernisiert. Die ältesten Schweizer Kernkraftwerke erfüllen heute nicht nur die internationalen Vorschriften, sondern genügen modernsten Anforderungen – wie die beiden jüngeren Kernkraftwerke Gösgen und Leibstadt.

Ein gutes Beispiel ist die Anlage in Beznau: Seit der Inbetriebnahme der beiden Blöcke in den Jahren 1969 und 1972 hat die Axpo Power AG (ehemals Nordostschweizerische Kraftwerke) bis heute insgesamt rund 2,5 Milliarden Franken in die Sicherheit und Zuverlässigkeit des Werks investiert – der Bau kostete ursprünglich 700 Mio. CHF .

Kernenergie ist zuverlässig verfügbar

Entscheidend ist nicht nur die Leistung einer Anlage, sondern auch ihre Verfügbarkeit für die Stromproduktion. Kernkraftwerke funktionieren auch bei Windstille, wenn die Sonne nicht scheint und Flüsse wenig Wasser führen. Weil sie fast dauernd zur Verfügung stehen, kann ein Kernkraftwerk vier Mal so viel Strom produzieren wie ein topmoderner Windpark gleicher Leistung an optimaler Lage und sogar acht bis neun Mal so viel Strom wie Photovoltaikanlagen. Wind- und Sonnenkraftwerke können die Bandenergie der Kernkraftwerke in der Schweizer Stromversorgung schlicht nicht ersetzen, sondern nur ergänzen.

1 3 2c Grafik Volllaststunden d
Photovoltaik und Windenergie kommen nicht ohne Reserveanlagen aus, die einspringen, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht. Dies verteuert das Gesamtsystem beträchtlich.

Um ein Kernkraftwerk der Grösse Leibstadts mit Windkraftwerken rein rechnerisch zu «ersetzen», bräuchte es deshalb gegen 2500 moderne Windkraftwerke zu jeweils zwei Megawatt Leistung an einem guten Standort. Doch praktisch geht diese Rechnung nicht auf: So oft weht der Wind gar nicht. Und Projekte für Windanlagen in den wenigen windreichen Gebieten auf Schweizer Höhenzügen stossen regelmässig auf viel Widerstand in den betroffenen Regionen.

Technisch begrenzte Betriebsdauer

Die Investitionen in die Schweizer Kernkraftwerke sind so vorgenommen worden, dass die dienstälteren Anlagen Beznau-1 und -2 rund 60 Jahre sicher betrieben werden können, das heisst bis weit in die Zeit nach 2020. Die beiden jüngeren Anlagen in Gösgen und Leibstadt sind gegenwärtig auf mindestens 60 Jahre Betrieb ausgerichtet. Wie lange gut gewartete Kernkraftwerke betrieben werden können, ist noch nicht klar. In den USA haben rund zwei Drittel der 104 Kernkraftwerke eine Verlängerung der Betriebsbewilligung von 40 auf 60 Jahre erhalten. Nun wird bereits geprüft, unter welchen Voraussetzungen eine weitere Verlängerung auf 80 Jahre möglich ist.

Wann die Schweizer Kernkraftwerke definitiv ausser Betrieb genommen werden, kann auch ein unternehmerischer Entscheid der Betreiberfirmen sein, wie es beim Kernkraftwerk Mühleberg der Fall ist.

Eine politisch motivierte frühzeitige Ausserbetriebnahme eines Kernkraftwerkes, wie sie in Deutschland zu beobachten war, bringt die Besitzer der Anlage um ihre Investitionen in eine sichere Stromversorgung. Zuverlässige Anlagen würden unnötig vom Netz genommen und viel Kapital vernichtet. Mitsamt eines Teils der Versorgungssicherheit gingen auch viele Arbeitsplätze verloren. Da die Kernkraftwerke zu 82 Prozent der öffentlichen Hand gehören, käme dies einer Vernichtung von Volksvermögen gleich. Zudem spielen Kernkraftwerke im Rahmen der Energiestrategie 2050 eine bedeutende Rolle: Sie tragen während des geplanten Ausbaus der neuen erneuerbaren Energien wesentlich zur Versorgungssicherheit durch klimafreundliche Grundlast bei. Der Bundesrat lehnt deswegen eine Befristung der Laufzeit der Schweizer Kernkraftwerke ab.


Medienmitteilung

Betriebsverlauf

12.8.2019 16:14

Die Anlage produzierte im Berichtsmonat bis zum 26. Juli 2019 nach Plan und ohne Unterbruch.

Am

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