Die neue Energiepolitik führt die Schweiz in eine ungewisse Zukunft. Die Folgen der Energiestrategie 2050 auf Strommarkt, Klima, Wirtschaft und Gesellschaft sind weitgehend unabsehbar. Der vorgesehene Verzicht auf 40 Prozent Kernenergie gleicht einem Experiment, das die Versorgungssicherheit und unseren Wohlstand gefährdet.

Die Ausbauziele des Bundesrates für die neuen erneuerbaren Energien bis 2050 sind äusserst ambitiös. Um sie zu erreichen, müsste man beispielsweise auf den Jurahöhen 1000 neue Windturbinen und im ganzen Land zehn Millionen Solarpanels installieren, 25 Laufwasserkraftwerke an grossen Flüssen und 175 Geothermieanlagen (die bislang weder technisch noch wirtschaftlich funktionieren) bauen sowie zwei bis drei Staudämme der Grösse des Grimselstausees und dazu jährlich eine Million Tonnen Holz zur Stromerzeugung verbrennen. Sollten die Spar- und Effizienzbemühungen des Bundes nicht wie gewünscht greifen, müssten diese Zahlen noch massiv nach oben korrigiert werden.

Noch im September 2011 vertrat der Nationalrat die Position, wonach sich der Bundesrat beim energetischen Umbau der Schweiz an bestimmte Eckpunkte zu halten habe: Unter anderem müsse der Strom deutlich kostengünstiger bleiben als in den EU-Ländern, es dürften keine zusätzlichen Subventions- und Lenkungsabgaben eingeführt werden, die Abhängigkeit von ausländischen Energieträgern dürfe sich nicht vergrössern und müsse auf verschiedene Quellen verteilt werden. Diese Forderung blieb bislang unerwidert. Stattdessen wurde die 2008 eingeführte Kostendeckende Einspeisevergütung zur Förderung von Strom aus erneuerbaren Quellen (KEV) mehrfach auf aktuell 1,3 Rappen pro Kilowattstunde erhöht.

Die Stromzukunft wird noch einiges zu diskutieren geben.
Die Stromzukunft wird noch einiges zu diskutieren geben.

Intensiver gesellschaftlicher Diskurs

Die Versorgungssicherheit der Zukunft hängt also stark davon ab,

  •  wie lange die bestehenden Kernkraftwerke in Betrieb bleiben;
  • ob der Bau von neuen Kernkraftwerken in Zukunft wirklich verboten wird;
  • ob in der Schweiz Gaskraftwerke gebaut werden, ob Gas jederzeit verfügbar sein wird und zu welchem Preis;
  • ob die Schweiz die beträchtlichen Kosten für den Umbau der Stromversorgung und den Ausbau von Stromnetz und Speicherkapazität tragen will;
  • ob Industrie und Gesellschaft bereit sind, grössere Stromimporte und eine steigende Abhängigkeit vom Ausland zu akzeptieren;
  • wie schnell die neuen erneuerbaren Energien (Strom aus Wind, Sonne und Biomasse) ausgebaut werden können.
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Freier Markt versus staatliche Regulierung: das Beispiel Deutschland …

Die Wirtschaftlichkeit des Energiesystems auf Basis eines wettbewerbsorientierten Marktes ist fundamental. Das Beispiel Deutschland zeigt, vor welche Probleme staatlich verordnete Subventionierung einzelner Technologien und starke Marktregulierung die Wirtschaft und Gesellschaft stellen:

Dort werden den Stromkonsumenten mittlerweile jedes Jahr gut 28 Milliarden Euro für die Förderung der erneuerbaren Energien und den dazu nötigen Netzausbau abgenommen. Das ist mehr als die gesamte NEAT, die 20 Milliarden Franken kostete. Und zwar jedes Jahr. Dieser Strom hat auf dem Markt aber nur einen Wert von rund 3 Milliarden Euro. Die Stabilisierung des durch schwankende Sonnen- und Windenergie belasteten Stromnetzes kostet eine weitere Milliarde Euro jährlich. Im Frühling 2013 sprach der deutsche Umweltminister gar von rund 1000 Milliarden Euro Gesamtkosten für die Energiewende. Diese Rechnung bezahlen die Stromkonsumenten und vor allem die Haushalte.

Mit Sonne und Wind erzeugte Deutschland 2015 zwar rund 122 Terawattstunden Strom, rund 22 Prozent des jährlichen Strombedarfs (540 TWh). Das ist etwa so viel, wie der nukleare Kraftwerkspark vor der Energiewende – viel zuverlässiger und sogar klimafreundlicher – erzeugte. Doch die mit der Stromerzeugung verbundenen CO2-Emissionen sind in Deutschland seit 2010 insgesamt gestiegen: Wenn Wind- und Sonnenkraftwerke nicht ihre volle Leistung bringen -das ist zu rund vier Fünftel der Zeit der Fall -  liefern nämlich Kohlekraftwerke den Strom. Sie sind auch der Ersatz für die ausser Betrieb genommenen Kernkraftwerke und heute die tragende Säule der deutschen Stromproduktion. Auch wenn der Anteil der erneuerbaren Energien deutlich vergrössert werden konnte, ist das kein umweltfreundliches Resultat.

Im Zuge der Energiewende erlebt Braunkohle in Deutschland ein ungeahntes Comeback. Im Bild die Anlage Weisweiler.
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… und die Folgen für den Strommarkt

Dank massiver Subventionierung boomt deutsche Solarenergie und überschwemmt mit Einspeisevorrang das Netz, besonders mittags zu Spitzenlastzeiten. Das schadet insbesondere der Schweizer Wasserkraft, die solche Spitzen aus Speicherseen bis anhin abdeckte. Die Grosshandels-Strompreise sind stark gesunken, die Margen der Wasserkraft verschwunden.

Als Batterie Europas gedacht, aber dank subventionierter Sonnen- und Windenergie kaum mehr rentabel: Pumpspeicherkraftwerke. Im Bild die Anlage Grimsel 2 der Kraftwerke Oberhasli AG.

Unter der Ausserkraftsetzung des Marktes leiden aber auch modernste Gaskraftwerke. Sie werden aus Rentabilitätsgründen abgeschaltet. Zwar könnten sie die Stromversorgung deutlich flexibler und weniger klimaschädigend als Kohlekraftwerke sicherstellen. Aber die Kosten für ihren Brennstoff Gas sind teurer als für Kohle. Daher leiden sie besonders unter dem Strompreiszerfall. Und bei wenigen Betriebsstunden pro Jahr werden sie erst recht unrentabel. Kein Unternehmer will mehr in diese Technologien investieren.

Für deutsche Stromkonzerne werden sogar Negativpreise zum Thema. Durch den gesetzlich erzwungenen Einspeisevorrang von Wind und Sonne – unabhängig vom Strombedarf – entsteht je nach Wetter ein grosses Überangebot. Es gefährdet nicht nur die Netzstabilität, sondern führt auch dazu, dass Anbieter Verbraucher dafür bezahlen müssen, ihnen den Strom abzunehmen, obwohl diese ihn gar nicht brauchen können. Im Gegenzug fehlt in entscheidenden Momenten und im Winter  wetterunabhängige klimafreundliche Bandenergie.

Letztlich fragen die Kunden abgesehen von Wasserkraft die teuren erneuerbaren Stromprodukte viel zu wenig nach. Die Stromversorger müssen diesen Strom oft unter Preis abstossen, indem sie ihn in günstigere Standardstromprodukte einmischen, ihn quersubventionieren oder die Kunden zum Bezug zwingen. Der vermeintlich günstige Naturstrom wird so jedoch unter dem Strich noch teurer für die Konsumenten, die die ganzen Subventionen tragen müssen.

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Mehrfach belastete Stromkonsumenten

Die Energiewende verändert unsere heutige Stromlandschaft weit mehr als auf den ersten Blick ersichtlich. Mit bedeutenden Mengen an Solar- und Windstrom in unserem Stromversorgungsmix wird sich der Strompreis nicht nur um die höheren Gestehungskosten der neuen erneuerbaren Energien verteuern. Letztlich wird der Stromkonsument mit fünffachen Kosten belastet:

  • über die kostendeckende Einspeisevergütung KEV, die zur Förderung der neuen erneuerbaren Energien auf dem Strompreis erhoben wird. Hier sollen grosse industrielle Energieverbraucher entlastet werden, um international konkurrenzfähig zu bleiben, was wiederum eine Mehrbelastung der Haushalte bedeutet.
  •  über den nötigen massiven Ausbau des Verteilnetzes für den Abtransport des dezentral anfallenden erneuerbaren Stroms (Niederspannung) sowie über den Ausbau des Hochspannungsnetzes für Importstrom.
  • über Regulierungsenergie: Viele Kraftwerke müssen ihre Produktion drosseln, wenn Wind- und Sonnenenergie anfallen. Dies verteuert wiederum ihre Produktionskosten massiv, da sie nicht voll ausgelastet laufen.
  • über einen Kapazitätsmarkt: Kraftwerke wie beispielsweise Speicherkraft oder Gaskraftwerke, die wegen der subventionierten erneuerbaren Energie im Markt nicht mehr rentieren, aber nötig sind für das Energiesystem, müssten ebenfalls subventioniert werden.
  • über die «Entsorgung» von überschüssigem Strom, weil Wind- und Sonnenenergie bei einem starken Ausbau punktuell so intensiv anfallen können und prioritär eingespeist werden müssen, dass das Angebot den Bedarf bei Weitem übertrifft und Negativpreise entstehen.

Medienmitteilung

Betriebsverlauf

11.8.2017 14:31

Die Anlage produzierte im Juli 2017 nach Plan und ohne Unterbruch. Am 24., 25. und am 27. Juli 2017

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