Die Folgen der Energiestrategie 2050 auf Strommarkt, Klima, Wirtschaft und Gesellschaft sind weitgehend unabsehbar. Der vorgesehene Verzicht auf 35 Prozent heimischer Kernenergie ist ein Experiment, das die Versorgungssicherheit und unseren Wohlstand gefährdet.

Die Ausbauziele des Bundesrates für die neuen erneuerbaren Energien bis 2050 sind äusserst ambitiös. Um sie zu erreichen, müsste man beispielsweise auf den Jurahöhen 1000 neue Windturbinen und im ganzen Land zehn Millionen Solarpanels installieren. Des Weiteren müssten 25 Laufwasserkraftwerke an grossen Flüssen und 175 Geothermieanlagen (die bislang weder technisch noch wirtschaftlich funktionieren) sowie zwei bis drei Staudämme der Grösse des Grimselstausees erstellt werden. Und dazu müssten man noch jährlich eine Million Tonnen Holz zur Stromerzeugung verbrennen. Sollten die Spar- und Effizienzbemühungen des Bundes nicht wie gewünscht greifen, müssten diese Zahlen noch massiv nach oben korrigiert werden.

Noch im September 2011 vertrat der Nationalrat die Position, wonach sich der Bundesrat beim energetischen Umbau der Schweiz an bestimmte Eckpunkte zu halten habe: Unter anderem müsse der Strom deutlich kostengünstiger bleiben als in den EU-Ländern. Es dürften keine zusätzlichen Subventions- und Lenkungsabgaben eingeführt werden. Und die Abhängigkeit von ausländischen Energieträgern dürfe sich nicht vergrössern und müsse auf verschiedene Quellen verteilt werden.

Diese Forderung blieb bislang unerwidert. Stattdessen wurde die 2008 eingeführte Kostendeckende Einspeisevergütung zur Förderung von Strom aus erneuerbaren Quellen (KEV) mehrfach auf aktuell 2,2 Rappen pro Kilowattstunde (per Gesetz max. 2,3 Rp./kWh) erhöht.

Intensiver gesellschaftlicher Diskurs

Die Versorgungssicherheit der Zukunft hängt also stark davon ab,

  • wie lange die bestehenden Kernkraftwerke in Betrieb bleiben;
  • ob der Bau von neuen Kernkraftwerken auch in fernerer Zukunft verboten bleibt;
  • ob in der Schweiz Gaskraftwerke gebaut werden, ob Gas jederzeit verfügbar sein wird und zu welchem Preis;
  • ob die Schweiz die beträchtlichen Kosten für den Umbau der Stromversorgung und den Ausbau von Stromnetz und Speicherkapazität tragen will;
  • ob Industrie und Gesellschaft bereit sind, grössere Stromimporte und eine steigende Abhängigkeit vom Ausland zu akzeptieren;
  • wie schnell die neuen erneuerbaren Energien (Strom aus Wind, Sonne und Biomasse) ausgebaut werden können.

Freier Markt versus staatliche Regulierung: das Beispiel Deutschland…

Ein wirtschaftliches Energiesystem und ein wettbewerbsorientierter Markt sind fundamental. Das Beispiel Deutschland zeigt, vor welche Probleme staatlich verordnete Subventionierung einzelner Technologien und starke Marktregulierung die Wirtschaft und Gesellschaft stellen:

Dort werden den Stromkonsumenten über die sogenannte Ökostromumlage mittlerweile gegen 7 Eurocents pro Kilowattstunde und total jedes Jahr um die 25 Milliarden Euro für die Förderung der erneuerbaren Energien und den dazu nötigen Netzausbau abgenommen. Das ist mehr als die gesamte NEAT, die 20 Milliarden Franken kostete. Und zwar jedes Jahr. Dieser Strom hat auf dem Markt aber nur einen Wert von rund 3 Milliarden Euro. Die Stabilisierung des durch schwankende Sonnen- und Windenergie belasteten Stromnetzes kostet eine weitere Milliarde Euro jährlich. Im Frühling 2013 sprach der deutsche Umweltminister gar von rund 1000 Milliarden Euro Gesamtkosten für die Energiewende. Diese Rechnung bezahlen die Stromkonsumenten und vor allem die Haushalte.

Mit Sonne und Wind erzeugte Deutschland 2017 rund 142 Terawattstunden Strom, gut ein Viertel des jährlichen Strombedarfs. Doch die mit der Stromerzeugung verbundenen CO₂-Emissionen sind in Deutschland seit 2010 kaum gesunken: Wenn Wind- und Sonnenkraftwerke nicht ihre volle Leistung bringen, das ist zu rund vier Fünftel der Zeit, liefern nämlich Kohlekraftwerke den Strom. Sie sind auch grösstenteils der Ersatz für die ausser Betrieb genommenen Kernkraftwerke – kein umweltfreundliches Resultat. Deshalb fordern deutsche Umweltverbände nun den Kohleausstieg und eine klimaverträgliche Verkehrswende.

Kohlekraftwerk Weisweiler
Im Zuge der Energiewende erlebt Braunkohle in Deutschland ein ungeahntes Comeback. Im Bild die Anlage Weisweiler. (Bild: RWE)

…und die Folgen für den Strommarkt

Dank massiver Subventionierung boomt deutsche Solarenergie und überschwemmt mit Einspeisevorrang das Netz, besonders mittags zu Spitzenlastzeiten. Das schadet insbesondere der Schweizer Wasserkraft, die solche Spitzen bis anhin aus Speicherseen abdeckte. Die Grosshandels-Strompreise sind stark gesunken, die Margen der Wasserkraft verschwunden.

Unter der Ausserkraftsetzung des Marktes leiden aber auch modernste Gaskraftwerke. Zwar könnten sie die Stromversorgung deutlich flexibler und weniger klimaschädigend als Kohlekraftwerke sicherstellen. Aber die Kosten für das Gas sind teurer als für Kohle. Und bei wenigen Betriebsstunden pro Jahr werden Gaskraftwerke erst recht unrentabel, sodass sie abgeschaltet werden.

Sogar Negativpreise werden zum Thema: Durch den gesetzlichen Einspeisevorrang von Wind und Sonne – unabhängig vom Strombedarf – entsteht je nach Wetter ein Überangebot. Es gefährdet nicht nur die Netzstabilität, sondern führt auch dazu, dass Stromanbieter Verbraucher dafür bezahlen müssen, ihnen den Strom abzunehmen, obwohl diese ihn gar nicht brauchen können.

Maschinenhalle Kraftwerk Grimsel 2 Robert Bsch KWO
Als Batterie Europas gedacht, aber kaum mehr rentabel: Pumpspeicherkraftwerke. Im Bild die Anlage Grimsel 2 der Kraftwerke Oberhasli AG. (Bild: KWO)

Letztlich fragen die Kunden – abgesehen von Wasserkraft – die teuren erneuerbaren Stromprodukte viel zu wenig nach. Die Stromversorger müssen diesen Strom oft unter Preis abstossen, indem sie ihn in günstigere Standardstromprodukte einmischen, ihn quersubventionieren oder die Kunden praktisch zum Bezug zwingen. Der vermeintlich günstige Naturstrom wird so jedoch unter dem Strich noch teurer für die Konsumenten, die diese Form der Subventionierung ebenfalls tragen müssen.

Mehrfach belastete Stromkonsumenten

Die Energiewende verändert unsere heutige Stromlandschaft weit mehr als auf den ersten Blick ersichtlich. Mit bedeutenden Mengen an Solar- und Windstrom in unserem Versorgungsmix wird sich der Strompreis verteuern. Letztlich wird der Stromkonsument fünffach mit Kosten belastet:

  • über die kostendeckende Einspeisevergütung KEV, die zur Förderung der neuen erneuerbaren Energien auf dem Strompreis erhoben wird. Hier sollen grosse industrielle Energieverbraucher entlastet werden, um international konkurrenzfähig zu bleiben, was wiederum eine Mehrbelastung der Haushalte bedeutet.
  • über den Ausbau des Verteilnetzes für den Abtransport des dezentral anfallenden erneuerbaren Stroms (Niederspannung) sowie über den Ausbau des Hochspannungsnetzes für Importstrom.
  • über Regulierungsenergie: Viele Kraftwerke müssen ihre Produktion drosseln, wenn Wind- und Sonnenenergie anfallen. Dies verteuert wiederum ihre Produktionskosten, da sie nicht voll ausgelastet laufen.
  • über einen Kapazitätsmarkt: Speicherkraft- oder Gaskraftwerke, die wegen der subventionierten erneuerbaren Energie im Markt nicht mehr rentieren, aber nötig sind für das Energiesystem, müssten ebenfalls subventioniert werden.
  • über die «Entsorgung» von überschüssigem Strom mittels Negativpreisen.

Medienmitteilung

Betriebsverlauf

12.8.2019 16:14

Die Anlage produzierte im Berichtsmonat bis zum 26. Juli 2019 nach Plan und ohne Unterbruch.

Am

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