Wie die radioaktiven Abfälle in der Schweiz sicher und für ausreichend lange Zeit entsorgt werden können, zeigte die Nagra im Entsorgungsnachweis, den der Bund im Jahr 2006 bestätigte. Nachdem die wesentlichen technischen Fragen geklärt sind, geht es jetzt darum, die Standorte der geplanten geologischen Tiefenlager festzulegen. Dies geschieht über ein im April 2008 vom Bund eingeleitetes transparentes, nachvollziehbares und verbindliches Verfahren: den Sachplan geologische Tiefenlager (SGT). 

Dieses Verfahren wird unter der Kontrolle des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) und der Gesamtverantwortung des Bundesamtes für Energie durchgeführt. Die Nagra hat die Aufgabe, die Standortsuche wissenschaftlich-technisch vorzubereiten und Standortvorschläge zu machen. Diverse Bundesbehörden wie das Bundesamt für Raumentwicklung (ARE), das Bundesamt für Umwelt (BAFU), aber auch das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) und die Regionalkonferenzen als Vertreter der Standortregionen sind in die Arbeiten stark eingebunden, andere Instanzen wie der Ausschuss der Kantone (AdK) wirken beratend mit. Das nationale Projekt geologisches Tiefenlager kann nur von allen wichtigen Beteiligten gemeinsam erfolgreich durchgeführt werden.

«Sachplan» des Bundes für Standortwahl

Das sogenannte Sachplanverfahren ist ein Instrument der Raumplanung und wird bei nationalen Bauprojektenwie Bahnlinien, Autobahnen und Flughäfen eingesetzt (siehe Randspalte rechts). Mit diesem erprobten Verfahren sollen die Standorte für das geologische Tiefenlager nachvollziehbar und unter intensiver Zusammenarbeit mit den betroffenen Regionen bestimmt werden. Die Sicherheit von Mensch und Umwelt hat dabei oberste Priorität. Die Auswirkungen an der Oberfläche, also Aspekte der Raumnutzung, Wirtschaft und Gesellschaft, werden bei der Standortsucheso weit wie technisch möglich und sinnvoll berücksichtigt.

Sachplan: Verfahren des Bundes für Bauvorhaben von nationaler Bedeutung wie Autobahnen, Bahnlinien und geologische Tiefenlager.

Am Ende des Sachplanverfahrens wird der Bundesrat die definitive Standortwahl treffen:

  • entweder für einen Standort für schwach- und mittelaktive Abfälle (SMA) und einen für hochaktive Abfälle (HAA) und ausgediente Brennelemente
  • oder für einen gemeinsamen Standort für beide Abfallkategorien (sogenanntes Kombilager)

Nach der Erteilung der Rahmenbewilligung durch den Bundesrat folgt zirka 2030 die Genehmigung durch das Parlament. Falls das fakultative Referendum gegen die Rahmenbewilligung ergriffen wird, findet eine Volksabstimmung statt.

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Schritt um Schritt zum Ziel

Das Sachplanverfahren wird in drei Etappen von 2008 bis zirka 2020 umgesetzt:

Erste Etappe: Diese dauerte von 2008 bis 2011. Bei Beginn der ersten Etappe wurden die Regeln für die Auswahl der Standorte festgelegt und die sechs Standortgebiete für geologische Tiefenlager vorgeschlagen. Der Sachplan stellt die Transparenz des Verfahrens sicher und bildet den Rahmen für die Zusammenarbeit und Mitwirkung von Bund, Kantonen, Gemeinden, Nachbarstaaten, Regionen und interessierten Kreisen. Am Ende dieser ersten Etappe legte der Bundesrat die sechs von der Nagra vorgeschlagenen potenziellen Standortgebiete fest, die sich geologisch für Tiefenlager eignen. Dies nach Anhörung der betroffenen Kantone, Gemeinden, Nachbarstaaten und der Bevölkerung.

Zweite Etappe: Von 2011 bis zirka 2017 regelt diese gegenwärtig laufende Etappe die weitere Einengung der Standortwahl. Die Lagerprojekte in den sechs potenziellen Standortregionen werden konkretisiert und die geologischen Standortgebiete sicherheitstechnisch miteinander verglichen. Die Nagra führt provisorische Sicherheitsanalysen für die Tiefenlager bzw. das Bundesamt für Energie sozioökonomische Grundlagenstudien unter Berücksichtigung von Raumplanungs- und Umweltaspekten durch. Am Ende der Etappe schlägt die Nagra pro Abfallkategorie mindestens zwei konkrete Standorte vor.

In dieser Etappe ist die regionale Partizipation zentral: Die Betroffenen in den Standortregionen arbeiten bei der Konkretisierung der Lagerprojekte mit und bringen ihre Anliegen ins Verfahren ein. Zusammen mit der Nagra legen sie fest, wo die Oberflächenanlagen des Tiefenlagers in ihrer Standortregion zu stehen kommen könnten, definieren mögliche Auswirkungen des Tiefenlagers auf die Region sowie Projekte und Massnahmen zur nachhaltigen Entwicklung. Zu diesem Zweck wurden die sogenannten Regionalkonferenzen aufgebaut, in denen jeweils 50 bis 150 Vertreter von Parteien, Interessensorganisationen, Wirtschaft und Gewerbe sowie der Bevölkerung der jeweiligen Region mitwirken.

Dritte Etappe: Von 2017 bis zirka 2027 werden die verbleibenden Standorte mittels Sondierbohrungen und seismischen Untersuchungen erdwissenschaftlich vertieft untersucht. Gesellschaftliche, wirtschaftliche und ökologische Folgen für die entsprechenden Regionen werden im Detail abgeklärt sowie die Frage der Abgeltungen geregelt. Am Ende dieser Etappe reicht die Nagra die Rahmenbewilligungsgesuche für die Tiefenlager ein, der Bundesrat trifft die definitive Standortwahl und erteilt die Rahmenbewilligung.

Das Sachplanverfahren endet mit der Standortwahl für das geologische Tiefenlager.

Mit einer Baubewilligung für das Felslabor am definitiven Standort ist ab 2030 zu rechnen, mit dem Baubeginn der Lager frühestens ab 2040/45. Das UVEK möchte ab 2050 ein Lager für die schwach- und mittelaktiven Abfälle (SMA) und ab 2060 ein Lager für die hochaktiven Abfälle und die ausgedienten Brennelemente (HAA) in Betrieb nehmen.
Den aktuellen Stand des Sachplans geologisches Tiefenlager können Sie auch hier entnehmen.

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Die möglichen Standortregionen

Im November 2008 gab das Bundesamt für Energie die Vorschläge der Nagra für mögliche Standortgebiete für geologische Tiefenlager bekannt. Massgebend für diese Vorschläge war ausschliesslich die Eignung der Geologie, wie vom Bundesrat im Sachplan festgelegt. Damit war das Auswahlverfahren angelaufen. Die Vorschläge der Nagra sind kein Entscheid für einen oder mehrere Standorte, sondern bilden die Grundlage für die weiteren Abklärungen, zu denen die Kantone, Gemeinden, Nachbarstaaten und die Bundesbehörden Stellung nehmen können. 

Für die hochaktiven Abfälle, die zusammen über 99 Prozent der Radioaktivität aller Abfälle enthalten, wurden drei mögliche Standortgebiete im Opalinuston für ein Tiefenlager vorgeschlagen. Geeignete Gesteinskörper aus Opalinuston müssen eine genügend grosse Ausdehnung, genügende Mächtigkeit und geeignete Tiefenlage aufweisen. Solche gibt es in folgenden Gebieten: Zürich Nordost, Nördlich Lägern und Jura Ost.

Für die hochaktiven Abfälle kommen drei Standortgebiete in Frage.

Die drei Standortgebiete für die hochaktiven Abfälle und die ausgedienten Brennelemente kommen auch für ein Kombilager in Frage – ein Lager für beide Abfallkategorien.

Die schwach- und mittelaktiven Abfälle enthalten rund ein Prozent der Radioaktivität aller Abfälle. Diese erreicht sehr viel schneller ein unbedenkliches Niveau als jene der hochaktiven Abfälle. Für die SMA kommen neben dem Opalinuston drei weitere Wirtgesteine in Frage, und zwar in den folgenden sechs vorgeschlagenen Standortgebieten: Südranden, Zürich Nordost, Nördlich Lägern, Jura Ost, Jura Südfuss und Wellenberg.

Für die schwachaktiven Abfälle kommen sechs Standorte in Frage.

Mehr Informationen zu den geologischen Anforderungen an Tiefenlager und zum Opalinuston finden Sie hier.
Mehr Informationen zu den verschiedenen Arten von radioaktiven Abfällen finden Sie hier.

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Sieben mögliche Standorte für Oberflächenanlagen

Die Oberflächenanlagen, in denen die radioaktiven Abfälle angeliefert und für die Einlagerung vorbereitet werden sollen, haben in etwa die Grösse eines mittleren Industriebetriebs. Grösse und Lage der Anlagen können flexibel an der Oberfläche gehandhabt werden. Sie müssen nicht direkt oberhalb des Lagerbereiches liegen, da die Lagerbehälter nicht zwingend über einen Schacht, sondern auch über längere Rampen in den Untergrund transportiert werden können.

So könnte die zukünftige Oberflächenanlage des Tiefenlagers für schwach- und mittelaktive Abfälle aussehen.
Die Oberflächenanlage des Tiefenlagers für hochaktive Abfälle hätte zirka die Grösse eines mittleren Industriebetriebs.

Im Januar 2012 schlug die Nagra 20 mögliche Standorte für die Platzierung der Oberflächenanlagen vor. Diese wurden seither von den Regionalkonferenzen der sechs Standortregionen diskutiert, anhand selbst entwickelter Instrumente bewertet und teilweise ergänzt. Im Frühling 2014 haben sich die Regionalkonferenzen wie folgt dazu geäussert, wo eine allfällige Oberflächenanlage konkret platziert werden könnte, sollte ein Tiefenlager in der betreffenden Region gebaut werden:

Region Jura-Südfuss: Däniken
Region Jura Ost: Villigen
Region Zürich Nordost: Isenbuck/Berg
Region  Südranden: Neuhausen
Region Nördlich Lägern: Weiach und Stadel
Region Wellenberg:  Wolfenschiessen

Zum Überblick der aktuellen Standorte für Oberflächenanlagen

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Aufgabe der heutigen Generation

Die Entsorgung der nuklearen Abfälle liegt in der Verantwortung der heutigen Generation, denn sie hat den Nutzen aus der nuklearen Stromproduktion. Die Entsorgungspflichtigen haben die Abfälle so zu entsorgen, dass künftige Generationen nicht unzulässig belastet werden und freie Optionen im Umgang mit den Tiefenlagern haben (Konzept der Überwachung der Abfälle und der möglichen Rückholung). Wie das umgesetzt werden soll, ist im Kernenergiegesetz festgehalten.

Tiefenlager: Der Königsweg zur Entlastung der zukünftigen Generationen. (Bild: Nuklearfourm)

Finanziell werden die kommenden Generationen kaum belastet, da die Entsorgung der Abfälle wie auch der Rückbau stillgelegter Kernkraftwerke von den heutigen Nutzern bezahlt werden (Verursacherprinzip). Diese Kosten von heute rund einem Rappen pro Kilowattstunde sind im Preis des Atomstroms enthalten (siehe Randspalte rechts).


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