Wie die radioaktiven Abfälle in der Schweiz sicher und für ausreichend lange Zeit entsorgt werden können, zeigte die Nagra im Entsorgungsnachweis, den der Bund im Jahr 2006 bestätigte. Nachdem die wesentlichen technischen Fragen geklärt sind, geht es jetzt darum, den Standort des geplanten geologischen Tiefenlagers festzulegen. Dies geschieht über ein durch den Bund geleitetes transparentes und verbindliches Verfahren: den Sachplan geologische Tiefenlager (SGT).

Dieses Verfahren wird unter Kontrolle des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) und der Gesamtverantwortung des Bundesamtes für Energie durchgeführt. Die Nagra hat die Aufgabe, die Standortsuche wissenschaftlich-technisch vorzubereiten und Standortvorschläge zu machen. Diverse Bundesbehörden wie das Bundesamt für Raumentwicklung (ARE), das Bundesamt für Umwelt (BAFU), aber auch das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) und die Regionalkonferenzen als Vertreter der Standortregionen sind in die Arbeiten stark eingebunden. Andere Instanzen wie der Ausschuss der Kantone (AdK) wirken beratend mit. Das nationale Projekt geologisches Tiefenlager kann nur zusammen mit allen wichtigen Beteiligten gemeinsam erfolgreich durchgeführt werden.

Autobahnkreuz
Sachplan: Verfahren des Bundes für Bauvorhaben von nationaler Bedeutung wie Autobahnen, Bahnlinien und geologische Tiefenlager.

«Sachplan» des Bundes für Standortwahl

Das sogenannte Sachplanverfahren ist ein Instrument der Raumplanung und wird bei nationalen Bauprojekten wie Bahnlinien, Autobahnen und Flughäfen eingesetzt (siehe Randspalte rechts). Mit diesem erprobten Verfahren soll der Standort für das geologische Tiefenlager nachvollziehbar und unter Zusammenarbeit mit den betroffenen Regionen bestimmt werden. Die Sicherheit von Mensch und Umwelt hat dabei oberste Priorität. Aspekte der Raumnutzung, Wirtschaft und Gesellschaft werden bei der Standortsuche so weit wie technisch möglich und sinnvoll berücksichtigt.

Am Ende des Sachplanverfahrens wird der Bundesrat die definitive Standortwahl treffen (Genehmigung Rahmenbewilligungsgesuch der Nagra):

  • entweder für einen Standort für schwach- und mittelaktive Abfälle (SMA) und einen für hochaktive Abfälle (HAA) und ausgediente Brennelemente
  • oder für einen gemeinsamen Standort für beide Abfallkategorien (sogenanntes Kombilager)

Nach der Erteilung der Rahmenbewilligung durch den Bundesrat folgt bis zirka 2030 die Genehmigung durch das Parlament. Falls das fakultative Referendum gegen die Rahmenbewilligung ergriffen wird, findet eine Volksabstimmung statt.

Schritt um Schritt zum Ziel

Das Sachplanverfahren umfasst drei Etappen:

Erste Etappe: 2008 bis 2011. Bei Beginn der ersten Etappe wurden die Regeln sowie Kriterien für die Auswahl der Standorte festgelegt und sechs Standortgebiete für geologische Tiefenlager basierend darauf vorgeschlagen. Im Jahr 2018 beendete der Bundesrat die Etappe 2 und beschloss, die drei Standortgebiete Jura Ost, Nördlich Lägern und Zürich Nordost in Etappe 3 weiter zu untersuchen. 

Zweite Etappe: 2011 bis Ende 2018. Die Standortwahl wurde weiter eingeengt und die Anordnung bzw. Ausgestaltung der Oberflächeninfrastruktur konkretisiert. Die Lagerprojekte in den sechs potenziellen Standortregionen werden konkretisiert und die geologischen Standortgebiete sicherheitstechnisch miteinander verglichen. Die Nagra führt provisorische Sicherheitsanalysen für die Tiefenlager bzw. das Bundesamt für Energie sozioökonomische Grundlagenstudien unter Berücksichtigung von Raumplanungs- und Umweltaspekten durch. Gegen Ende der Etappe schlägt die Nagra pro Abfallkategorie mindestens zwei konkrete Standorte vor. Der Bundesratsentscheid zu diesen Standorten wird auf Ende 2022 erwartet.

Dritte Etappe: 2019 bis zirka 2029. Die verbleibenden drei Standorte werden erdwissenschaftlich mittels Tiefbohrungen abschliessend untersucht. Gesellschaftliche, wirtschaftliche und ökologische Folgen für die entsprechenden Regionen werden im Detail abgeklärt sowie die Frage der Abgeltungen geregelt voraussichtlich Ende 2022 wird die Nagra den oder die sichersten Standort(e) bekanntgeben. Ende 2024 reicht die Nagra das Rahmenbewilligungsgesuch für die Tiefenlager ein. Voraussichtlich 2029 entscheidet der Bundesrat nach einer breiten Vernehmlassung über die Rahmenbewilligung. Dieser Entscheid muss dem Parlament zur Genehmigung vorgelegt wurden (2030). Anschliessend besteht die Möglichkeit, das fakultative Referendum zu ergreifen (2031).

Sachplanverfahren

Die Standortgebiete der Etappe 3

 

Geologische Standortgebiete Etappe 2 Broschuere OFI

Mögliche Standorte für Oberflächenanlagen geologischer Tiefenlager

Die Oberflächenanlagen, in denen die radioaktiven Abfälle angeliefert und für die Einlagerung vorbereitet werden sollen, haben in etwa die Grösse eines mittleren Industriebetriebs. Grösse und Lage der Anlagen können flexibel an der Oberfläche gehandhabt werden. Sie müssen nicht direkt oberhalb des Lagerbereiches liegen. Der untertägige Lagerbereich kann sowohl mit einem Schacht (vertikal) als auch mittels Rampe erschlossen werden.

Oberflächenanlage SMA
So könnte die zukünftige Oberflächenanlage des Tiefenlagers für schwach- und mittelaktive Abfälle aussehen. (Bild: Nagra)
Oberflächenanlage HAA
Die Oberflächenanlage des Tiefenlagers für hochaktive Abfälle hätte zirka die Grösse eines mittleren Industriebetriebs. (Bild: Nagra)

Aktuell werden folgende Standortareale für eine Oberflächenanlage diskutiert: JO-3+ (Jura Ost, Gemeinde Villigen), NL-2 und NL-6 (Nördlich Lägern, Gemeinden Weiach bzw. Stadel) sowie ZNO-6b (Zürich Nordost, Gemeinden Marthalen und Rheinau). Zurzeit wird auch die Möglichkeit diskutiert, die Verpackungsanlage für die radioaktiven Abfälle bei der ZWILAG AG in Würenlingen zu platzieren.

Zum Überblick der aktuellen Standorte für die Oberflächenanlagen.

Aufgabe der heutigen Generation - ein Jahrhundertprojekt

Die Entsorgung der nuklearen Abfälle liegt in der Verantwortung der heutigen Generation, denn sie hat den Nutzen aus der nuklearen Stromproduktion. Die Entsorgungspflichtigen haben die Abfälle so zu entsorgen, dass künftige Generationen nicht unzulässig belastet werden und freie Optionen im Umgang mit den Tiefenlagern haben (Konzept der Überwachung der Abfälle und der möglichen Rückholung). Wie das umgesetzt werden soll, ist im Kernenergiegesetz festgehalten.

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Tiefenlager: Der Königsweg zur Entlastung der zukünftigen Generationen. (Bild: Nuklearfourm)

Finanziell werden die kommenden Generationen kaum belastet, da die Entsorgung der Abfälle wie auch der Rückbau stillgelegter Kernkraftwerke von den heutigen Nutzern bezahlt werden (Verursacherprinzip). Diese Kosten von heute rund einem Rappen pro Kilowattstunde sind in den Gestehungskosten von Atomstrom enthalten.


Medienmitteilung

Betriebsverlauf

12.10.2021 10:25

Die Anlage produzierte im September 2021 nach Plan und ohne Unterbruch.        

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