Die grösste Stärke und zugleich Schwäche der Kernenergie ist die hohe Energiedichte des Brennstoffs. Sie erlaubt zwar die Produktion gewaltiger Mengen von Strom aus sehr wenig Rohstoff, erfordert aber auch spezielle Sicherheitsmassnahmen, auch für den Abfall mit seinen langen Abklingzeiten. Ein Unfall in heutigen Anlagen ist sehr unwahrscheinlich, doch die potenziellen Schäden könnten gross sein. Diesem Restrisiko steht ein grosser Nutzen für den Wirtschaftsstandort Schweiz gegenüber: hinsichtlich der Versorgungssicherheit und Netzstabilität, der Arbeitsplätze sowie des Klimaschutzes und der Luftreinhaltung.  

Die Kernenergie bietet auch Chancen. Vor allem in boomenden Schwellenländern, wo der steigende Energiekonsum Gesellschaften vor gewaltige Beschaffungs- und Umweltprobleme stellt. Auch in der Schweiz soll Strom ökologisch und ökonomisch verträglich erzeugt werden. Und bislang kann das neben der Wasserkraft nur die Kernenergie: effizient, zuverlässig und regelbar grosse Mengen bezahlbaren sowie klima- und umweltfreundlichen Strom liefern.

Der globale Energiehunger wächst. Effiziente, nicht-fossile Lösungen sind gefragt.

Das Restrisiko: akzeptabel oder nicht?

Wie wir Risiken wahrnehmen, ist meist selektiv und subjektiv. Ein seltener, aber grosser Unfall wird in der Regel viel schlimmer wahrgenommen als zahllose kleine Unfälle, die in der Summe aber viel mehr Schaden anrichten können. Hier hilft die nüchterne, wissenschaftliche Betrachtung von Energietechnologien über die ganze Energiekette hinweg, das heisst von der Rohstoffförderung bis zur Entsorgung der Abfälle. Dabei zeigt sich rasch: Hundertprozentige Sicherheit gibt es nirgends.  

Aus der ganzheitlichen Perspektive ist die Sicherheitsbilanz der Kernenergie im Vergleich zu anderen, vor allem den fossilen Energietechnologien, sehr gut. Im Verhältnis zur grossen Menge an erzeugtem Atomstrom weist die Kernenergie ähnliche tiefe Unfallopferzahlen auf wie die Wasserkraft. Wie wertvoll diese hohe Sicherheitskultur ist, spiegelt sich auch in der Wahrnehmung der Bevölkerung: Hier zeigte die Umfrage eineinhalb Jahre nach Fukushima, dass 74 Prozent der Schweizer nach wie vor von der Sicherheit der Kernkraftwerke überzeugt sind. Trotz dem Unfall in Japan ist die Kernenergie in den westlichen Industrieländern (OECD) eine sichere Technologie. 

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Kleinste Wahrscheinlichkeit für Reaktorunfälle

Die Gesetzgebung und die Ziele des Strahlenschutzes sind für den Betrieb eines Kernkraftwerks von primärer Bedeutung. Das Gesetz schreibt nicht nur für den Normalbetrieb, sondern auch für den einzelnen, seltenen grösseren Störfall und die allfällige Freisetzung radioaktiver Stoffe klar definierte, verträgliche Grenzwerte für die Strahlenbelastung der Bevölkerung vor.  

Von bestehenden Schweizer Anlagen verlangt das Gesetz, dass die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Kernschmelzschadens unter einem Ereignis in 10 000 Reaktorbetriebsjahren liegen muss. Auch die älteren Schweizer Anlagen unterschreiten diese Zahl und sind somit sicherer, als die gesetzliche Mindestanforderung. Für die neueren Anlagen in Gösgen und Leibstadt liegt die Wahrscheinlichkeit bei einem Ereignis in 100 000 Jahren. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer grösseren Freisetzung von Radioaktivität kommt, ist nochmals geringer. Mit einem Ereignis in einer Million Jahren ist dieses Restrisiko minim. Zum Vergleich: Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Asteroid die Erde trifft und die Zivilisation auslöscht, ist zehn Mal grösser (1:100 000).  

Sollte es entgegen aller Wahrscheinlichkeit einmal zu einem schweren Unfall kommen, müssen die Auswirkungen auf die Anlage beschränkt bleiben. Denn in der kleinräumigen Schweiz ist es unmöglich, Menschen permanent zu evakuieren. Deshalb sind die technischen Sicherheitssysteme in den Kernkraftwerken besonders gut ausgelegt – weit besser als in Fukushima.

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Gibt es valable Alternativen?

Will man das geringe Restrisiko nicht eingehen, braucht es Alternativen für die Erzeugung von zuverlässiger Bandenergie. Neue erneuerbare Energien kommen dazu kaum infrage. Weder scheint die Sonne rund um die Uhr noch weht der Wind auf Kommando. Grossmassstäblich speichern lässt sich beides nicht. Und mit den Wäldern respektive der Biomasse der Schweiz lässt sich unser Strombedarf auch nicht decken. Da das Potenzial für Grosswasserkraft in der Schweiz praktisch ausgeschöpft ist, stehen nur Kohle, Erdöl und Erdgas zur Verfügung.  

Um eine Güterabwägung kommt man bei keiner Energietechnologie herum. Beim Gewichten von Risiken und Nutzen setzt jeder persönliche Präferenzen. Dem unbestreitbaren gesellschaftlichen Nutzen fossiler Energien stehen aber auch Unfälle, die Erschöpfung unersetzlicher Ressourcen und beträchtliche Gesundheitsschäden durch Luftverschmutzung gegenüber. Ob das Restrisiko als akzeptabel empfunden wird, ist letztlich ein politischer Entscheid, den man vorzugsweise auf einer ganzheitlichen, wissenschaftlichen Betrachtungsweise basiert.

Jede Technologie hat Vorteile, Nachteile und spezifische Risiken.
Jede Technologie hat Vorteile, Nachteile und spezifische Risiken.
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Risiken für die Schweiz sachlich eingeschätzt

Die Schweiz ist ein dicht besiedeltes Industrieland mit komplexen Infrastrukturen. Dementsprechend breit ist ihre Risikolandschaft. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz analysiert, strukturiert und rangiert die Risiken, die unser Land bedrohen, jedes Jahr im Technischen Risikobericht. Dies als Basis für die Vorsorgeplanung zur Bewältigung von Katastrophen und Notlagen, aber auch, damit die Bevölkerung ein gemeinsames und sachliches Verständnis für diese Risiken entwickeln und sie richtig einordnen kann.

Im Risikobericht 2015 (Faktenblatt) ist als grösstes Risiko für die Schweiz eine mehrmonatige Strommangellage im Winter aufgeführt. Mit Schäden von über 100 Milliarden Franken wäre zu rechnen. Ein solches Ereignis kann einmal in 30 bis 100 Jahren eintreten. Dies zeigt, wie eminent wichtig eine zuverlässige und ausreichende Stromversorgung ist.

Am zweitgefährlichsten und –wahrscheinlichsten wäre ein Pandemie (70 bis 80 Mrd. Franken Schaden, Eintrittswahrscheinlichkeit ebenfalls einmal in 30 bis 100 Jahren). An dritter Stelle rangiert eine Hitzewelle (grosse Personenschäden, Eintrittswahrscheinlichkeit einmal in 20 Jahren). Der schwere Unfall im Kernkraftwerk (Eintrittswahrscheinlichkeit einmal in 1 bis 10 Millionen Jahren) rangiert nicht unter den 10 grössten Bedrohungen. Zu diesem Szenario hält der Bericht fest:

„Das Schadensausmass bei einem KKW-Unfall mit Freisetzung einer grossen Menge an Radioaktivität wird als sehr hoch eingeschätzt. Die Eintrittswahrscheinlichkeit für einen schweren KKW-Unfall wird jedoch aufgrund der in der Schweiz geltenden gesetzlichen Sicherheitsvorschriften als extrem gering angenommen. Daraus resultiert ein vergleichsweise tiefer Risikowert für das Szenario KKW-Unfall. In den Medien und im politischen Diskurs wird dieses Risiko häufig als wesentlich grösser wahrgenommen.“ (Katastrophen und Notlagen Schweiz 2015, S. 12)

Heute kann jeder Stromkonsument dieses minime Restrisiko gegenüber dem grossen Nutzen einer ausreichenden, zuverlässigen und emissionsarmen Stromversorgung selber abwägen.

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Risiken global betrachtet

Was sind denn die wirklich bedrohlichen Risiken für die menschliche Zivilisation? Das World Economic Forum (WEF) setzt sich in seinem Bericht zu den Global Risks 2014 mit dem Thema im Detail auseinander (siehe rechte Randspalte).  

Der Bericht unterscheidet zwischen Kategorien ökonomischer, ökologischer, gesellschaftlicher, technologischer und geopolitischer Risiken.  Unter den zehn grössten Globalen Risiken rangieren der Klimawandel mit immer extremeren Wetterereignissen, ungenügender Anpassungen an den Klimawandel und deren Auswirkungen wie Wasser- und Nahrungsversorgungskrisen, aber auch der Kollaps von Ökosystemen sowie Steuerkrisen in führenden Wirtschaftsnationen und gesellschaftlich-politische Unstabilität an hohen Positionen. Die Kernenergie ist nicht aufgeführt.


Medienmitteilung

Jahresrückblick

9.2.2017 17:34

Betriebsverlauf

Das Kernkraftwerk Gösgen (KKG) produzierte 2016 netto 8,23 Milliarden kWh

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