4. Juli 2007: Beitrag aus "Wirtschaftsflash" der solothurner Handelskammer und des kantonal-solothurnischem Gewerbeverbandes

Erfolgreich dank richtiger Strategie

Das Kernkraftwerk Gösgen-Däniken ist auf Erfolgskurs. Dies vor allem, weil von Anfang an die Strategie des «Safety first» gewählt und konsequent umgesetzt wurde. Denn Sicherheit bedeutet auch Wirtschaftlichkeit. Bis zum 3. April dieses Jahres produzierte das Kernkraftwerk insgesamt 200 Milliarden Kilowattstunden. Die jährliche Produktion ist dank gezielter Investitionen gestiegen, während die Gestehungskosten gesunken sind.  

Peter J. Aebi
 
Aus dem Magazin der Solothurner Wirtschaft 'Wirtschaftsflash', Ausgabe 4 Juli 2007, 28. Jahrgang
Herausgeber: Solothurner Handelskammer http://www.sohk.ch und Kantonal-Solothurnischer Gewerbeverband http://www.kgv-so.ch
 

Beeindruckende Zahlen präsentierte die Kernkraftwerk Gösgen-Däniken AG für das Jahr 2006: Eine neue Rekordproduktion von 8,1 Milliarden Kilowattstunden (kWh) bei Gestehungskosten von 4,1 Rappen pro kWh. Als das KKW Gösgen ans Netz ging, betrugen die Kosten noch 6,1 Rappen pro kWh. Seit der Inbetriebnahme des Kernkraftwerks konnte mit gezielten Investitionen die jährliche Produktion von rund sechs auf über acht Milliarden Kilowattstunden gesteigert werden. Damit entspricht die heute jährlich zusätzlich produzierte Energie etwa der 17-fachen Produktion des Flusskraftwerkes Ruppoldingen. Insgesamt sind es nun über zweihundert Milliarden Kilowattstunden Strom. Und noch wichtiger: In den inzwischen 28 Betriebsjahren kam es kaum zu nennenswerten Störungen und seit 16 Jahren zu keiner Reaktor-Schnellabschaltung. Eine Tatsache, die belegt, dass ein wirtschaftlicher Betrieb eben auch sicher ist. Dies ist das Resultat einer klaren Strategie, welche der Sicherheit die absolut oberste Priorität einräumt. Im Kernkraftwerk hat sich eine Sicherheitskultur entwickelt, die von den rund 400 Mitarbeitenden mit Überzeugung mitgetragen wird.

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Die vier Säulen der Strategie

Konstantin Bachmann von der Kommunikationsabteilung des Kernkraftwerks betont, dass die Unternehmensstrategie im Grundsatz auf vier Säulen ruhe: «Erstens auf einem umsichtigen Betrieb der Anlage, zweitens auf den kontinuierlichen Erneuerungs- und Verbesserungsinvestitionen in die technische Infrastruktur, drittens auf den Optimierungen des Managementsystems, wie das beispielsweise mit der Zertifizierung zum Ausdruck kommt, und viertens auf der Schaffung von Transparenz durch eine offene Information.» Die konsequente Umsetzung dieser Strategie war natürlich mit Kosten verbunden. Diese waren jedoch – wie ein Blick auf die aktuelle Situation zeigt – gut investiert. Zum Beispiel für die Aus- und Weiterbildung des Personals. Im Jahr 2000 wurde ein neues Schulungsgebäude mit einem Kraftwerkssimulator in Betrieb genommen. Der KKG-Simulator stellte weltweit eine technische Neuheit dar. Es handelte sich um den ersten Simulator auf dezentraler Basis mit PC. Damit ist es möglich, jegliche Szenarien trainieren zu können. Die Zertifizierung des Qualitäts-, Umwelt und Arbeitsschutzmanagements sind weitere Indikatoren, welche die Anstrengungen des KKG belegen.

Nur ein sicherer Betriebist wirtschaftlich

Das KKG steht unter der ständigen Kontrolle der Aufsichtsorgane des Bundes. Es vergeht kein Tag ohne Kontakte. Diese verursachen zwar Aufwand, werden aber vom KKG-Team als Chance zur ständigen Hinterfragung des eigenen Tuns gesehen. Und nur durch eine kritische Selbstbeurteilung konnte die beeindruckende Entwicklung bzw. das heutige Niveau erreicht werden. Man analysiert im internen Sicherheits-Ausschuss jede, noch so kleine Abweichung von der Norm und zieht daraus die nötigen Konsequenzen. Zur Beurteilung der Anlagensicherheit stützt sich das KKG auf Sicherheits- und Risikoanalysen und umfassende periodische Sicherheitsüberprüfungen. Zudem finden Audits durch internationale Expertengruppen statt, so zum Beispiel im Jahr 1999 durch ein Expertengremium der internationalen Atom-Energie Agentur (IAEA). In diesem Frühjahr fand eine Überprüfung sicherheitsrelevanter Aspekte durch Fachleute der Internationalen Vereinigung der Kernkraftwerkbetreiber (WANO) statt. Die rund 20 Experten beobachteten während drei Wochen den Betrieb. Das Ergebnis wird in einem ausführlichen Bericht festgehalten, der wiederum intern analysiert wird, damit man die richtigen Schlüsse daraus ziehen kann. «Fremde Augen sehen, was uns vielleicht entgeht», erläutert Konstantin Bachmann den Hintergrund dieser Audits. «Und wir nutzen sämtliche Hinweise für weitere Verbesserungen der Sicherheit.» Die WANO ist auch die Plattform für den internationalen Erfahrungsaustausch, der zum Ziel hat, grundsätzlich den Sicherheitsstandard der Kernkraftwerkeweltweit weiter zu erhöhen. Wird bei einem Mitglied der WANO ein Problem wahrgenommen, kann es so innert kürzester Zeit bei allen Kraftwerken ebenfalls thematisiert werden. «Für uns ist der systematische Erfahrungsaustausch unter den Betreibern ein wichtiges Instrument, um die Dynamik für ständige Verbesserungen in Gang zu halten», bestätigt Bachmann.

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Offene Information sorgt für Vertrauen

Das Selbstbewusstsein, die Tore des KKG für interessierte Besucher offen zu halten, hat also gute Gründe. Schliesslich hat man einen ausserordentlich hohen Sicherheitsstand erreicht und der Prozess zur weiteren Verbesserung geht – wie gesagt – ständig weiter. Das ist auch gut so, denn noch immer steht man unter sehr genauer Beobachtung. «Nach einem Zwischenfall in irgendeinem Kernkraftwerk der Welt rufen uns die Medienvertreter an, um herauszufinden, ob das bei uns auch möglich wäre. Das zeigt, wie sensibel das Umfeld immer noch ist. Und entsprechend verhalten wir uns auch.» Das Rezept des KKG heisst Transparenz. Die offene Kommunikation ist daher ein wesentlicher Teil der erfolgreichen KKG Strategie. Kernenergie ist in der Schweiz nach wie vor keine Wunschenergie, auch wenn die Diskussion rund um die Abstimmung zur Ausstiegs- und Moratoriumsinitiative ein deutlich sachlicheres Klima offenbarten, als man es in der Schweiz auch schon erlebt hatte.«Unsere offene Informationspolitik hat sich eindeutig bewährt», erklärt Bachmann. Dazu gehören natürlich regelmässige, institutionalisierte Kontakte zu den Standortgemeinden, die über den Betriebsverlauf und aktuelle Projekte informiert werden. Vor allem aber setzte man von Anfang an auf offene Türen. Seit 1974 sind nicht weniger als 750'000 Personen in kleinen Gruppen durch das Werk geführt worden. Bachmann dazu: «Es ist eine der wichtigsten Massnahmen. Die Besucher können Anlagenteile besichtigen und Fragen stellen. Das schafft natürlich Vertrauen.» Aus der ganzen Schweiz reisen Interessierte an. In letzter Zeit hat der Zustrom erneut zugenommen. «Das Schwergewicht des Interesses hat sich etwas verlagert. Früher stellte man vor allem Fragen zur Sicherheit. Heute will man mehr über die allgemeinen Vorund Nachteile der verschiedenen Energieproduktions-Arten erfahren. Entsprechend haben wir auch unseren Besucherpavillon ausgerichtet.»

Zukunftsaussichten...

Dank der ständigen Erneuerung und Modernisierung der Anlage darf von einer Betriebszeit von gegen 60, statt wie ursprünglich angenommen von 40 Jahren ausgegangen werden. Entsprechend langfristig wird im KKG geplant. Die grosse Herausforderung ist für absehbare Zeit der Generationenwechsel in der Belegschaft. Nicht zuletzt deshalb hat man gezielt in die Aus- und Weiterbildung investiert. Mit äusserster Umsicht werden die Ablösungen geplant und umgesetzt. «Wir nehmen in Kauf, dass wir für gewisse Übergangsfristen zum Teil Doppelbesetzungen haben, damit der Know-how-Transfer möglich wird», betont Konstantin Bachmann. Trotz diesen Zusatzaufwendungen erwartet er weiterhin sinkende Gestehungskosten pro Kilowattstunde. «Die Optimierungen zeigen gute Wirkung», erläutert Bachmann. Durch den steigenden Stromverbrauch und die in absehbarer Zeit zu erwartende Stilllegung der drei ältesten Kernkraftwerke der Schweiz sowie der auslaufenden Lieferverträge mit Frankreich, droht in der Schweiz eine Versorgungslücke. Die Diskussionen über das Vorgehen ist bereits im Gang. Zur Diskussion steht auch ein zweites Kernkraftwerk am Standort des KKG im Niederamt. Der Standort bietet wesentliche wichtige Voraussetzungen: Landreserven und Wasser für die Kraftwerkskühlung wären vorhanden und der Netzanschluss wäre gewährleistet. Der erarbeitete Vertrauensbonus lässt dies auch politisch durchaus als machbar erscheinen.

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Die Kennzahlen des Kernkraftwerks Gösgen-Däniken AG 2006

Produktion: 8.1 Mrd. kWh.
Betriebsaufwand: 268'296'001 Franken
Kapitalaufwand: 28'298'000 Franken
Ertrag vor Steuern: 28'298'000 Franken
Jahresgewinn: 18'650'000 Franken
Struktur der Jahreskosten 2006
Betrieb: 44,5%
Kernbrennstoff: 12,3%
Nukleare Entsorgung: 18,5%
Stilllegung und Nachbetrieb: 5,2%
Finanzerfolg und Gewinn: 5,9%

Die Aktionäre der KKW Gösgen-Däniken AG

Aare Tessin AG für Elektrizität (ATEL), Olten: 40%
Centralschweizerische Kraftwerke AG (CKW), Luzern: 12,5%
Energie Wasser Bern (EWB), Bern: 7,5%
Nordostschweizerische Kraftwerke AG (NOK), Baden: 25%
Stadt Zürich: 15%

Die Schweiz braucht 57,3 Milliarden kWh Strom pro Jahr

Der Stromverbrauch nimmt in der Schweiz weiterhin zu. Im Jahr 2005 waren es 2,1 Prozent. Insgesamt lag der Verbrauch bei 57,3 Milliarden Kilowattstunden. Durchschnittlich verbraucht ein Schweizer Haushalt rund 5'500 kWh elektrische Energie pro Jahr. Zum Vergleich: Das Sonnenkraftwerk im Stade de Suisse erzeugte im ersten Betriebsjahr 2005 rund 700'000 kWh Solarstrom, die weltweit höchstgelegene Gross-Windturbine auf dem Gütsch bei Andermatt rund 1,5 Millionen kWh. Das Laufwasserkraftwerk Ruppoldingen produziert rund 115 Millionen kWh Strom pro Jahr.
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