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Radioaktivität – ein natürliches Phänomen

Wir Menschen können die Strahlung radioaktiver Stoffe weder sehen noch hören. Und doch sind wir Tag und Nacht von dieser Strahlung umgeben.

Radioaktivität gibt es seit der Entstehung der Welt und ist überall und jederzeit in unserer Umwelt und in unserem Körper vorhanden. Sie wurde Ende des 19. Jahrhunderts entdeckt und ist heute eines der am besten erforschten Umweltphänomene. Im Volksmund hat sich der Name «radioaktive Strahlung» eingebürgert, obwohl genau genommen nicht die Strahlung radioaktiv ist, sondern der Stoff, der die Strahlung abgibt.

Gefährlich oder ungefährlich? Die Dosis macht's aus

Radioaktive Strahlung kann lebende Zellen schädigen. Sehr hohe Strahlendosen wirken tödlich. Bei stark bestrahlten Lebewesen treten Krankheiten wie Krebs und Veränderungen der Erbanlagen gehäuft auf. Geringe Strahlendosen sind jedoch keine Bedrohung, vor der wir uns fürchten müssten. Schliesslich ist das Leben auf der Erde seit Jahrmilliarden der radioaktiven Strahlung ausgesetzt. Ausschlaggebend für die Wirkung radioaktiver Strahlung auf Menschen, Tiere und Pflanzen ist

  • wie lange ein Körper der Strahlung ausgesetzt ist
  • wie stark diese Strahlung ist
  • und um welche Art von Strahlung es sich handelt (Alpha-, Beta- oder Gamma-Strahlung)

«All Ding' sind Gift und nichts ohn' Gift; allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.».
Dies hat bereits der in der Schweiz geborene Arzt Paracelsus erkannt, der Anfangs des 16. Jahrhunderts lebte. In heutiges Deutsch übersetzt heisst das: Jede beliebige Substanz kann der Gesundheit schaden – es ist nur eine Frage der Menge. In der richtigen Dosis dagegen werden viele «Gifte» und auch zahlreiche radioaktive Substanzen in der Medizin zur Heilung von Krankheiten eingesetzt.

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70% aus der Natur

Die Wirkung einer bestimmten Strahlendosis auf Lebewesen wird in der Masseinheit Sievert ausgedrückt (früher in Rem). In der Schweiz beträgt die durchschnittliche Strahlenbelastung pro Person rund 4 Millisievert (Tausendstel-Sievert) pro Jahr.

70 % dieser Strahlendosis stammen aus der Natur, weitere 25 % aus der Medizin und knapp 5 % aus technischen Anwendungen. Aus den Schweizer Kernanlagen gelangen praktisch keine radioaktiven Stoffe in die Umwelt. Die durch sie verursachte Strahlung liegt tiefer als ein Hundertstel der natürlichen Strahlendosis.

Durchschnittliche jährliche Strahlendosis pro Person
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Grosse Unterschiede von Ort zu Ort

Die Strahlenbelastung aus natürlichen Quellen ist von Ort zu Ort sehr unterschiedlich. In den Alpen kann sie, je nach Geologie und Höhenlage, bis zu doppelt so hoch sein wie im Mittelland. Strahlung aus natürlichen und technischen Quellen unterscheidet sich weder in ihrer Wirkung noch in ihrer  Gefährlichkeit. Deshalb setzt die natürliche Radioaktivität einen verlässlichen Massstab für den sicheren Umgang mit technisch erzeugter Strahlung.

Natürliche Strahlendosen in der Schweiz

Die Schwankungen der natürlichen Strahlendosis von Ort zu Ort sind um ein Vielfaches grösser als die Zusatzbelastung durch ein Kernkraftwerk bzw. Atomkraftwerk. Weil die kosmische Strahlung aus dem Weltraum mit der Höhe zunimmt, erhält man selbst bei einem kurzen Ferienaufenthalt in den Bergen eine höhere Dosis als während eines ganzen Jahres in der Umgebung eines Kernkraftwerks.

Ferien in den Bergen: höhere Strahlung als direkt neben einem Atomkraftwerk.

Die Strahlendosen in der Schweiz sind völlig unbedenklich. Im Iran und in Brasilien gibt es Gebiete, in denen die Menschen wegen des Gesteinsuntergrundes pro Jahr natürliche Strahlendosen zwischen 200 und 450 Millisievert aufnehmen. Das ist bis zu hundert Mal mehr als bei uns.

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Geschützt vor künstlich erzeugter Strahlung

Bei der Spaltung von Uran im Reaktor entsteht neben Wärme auch starke radioaktive Strahlung. Die aus dem Uran entstehenden sogenannten «Spaltprodukte» senden ebenfalls Strahlung aus. Für mehr Informationen zur Kernspaltung klicken Sie bitte hier.

Gegen diese Strahlung gibt es einen wirksamen Schutz. In den Atomkraftwerken (AKW) gibt es massive Abschirmungen, die das Personal bei der Arbeit vor gesundheitsschädlichen Strahlendosen schützen. Filteranlagen, Schutzbekleidung und grosse Sauberkeit tragen dazu bei, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht unnötig mit radioaktiven Stoffen in Berührung kommen. Auch nach Aussen gelangen keine gefährlichen Stoffe. Die beim Betrieb entstehenden radioaktiven Stoffe werden mit Filtern nahezu vollständig im Kraftwerk zurückbehalten.

Abschirmungen und Sauberkeit: Schutz des Personals vor Strahlung. (Bild: KKG)

Für die Abgabe radioaktiver Stoffe in die Umgebung gelten strenge Grenzwerte. Ihre Einhaltung wird ständig überwacht. Die zusätzliche Strahlendosis, der die Bevölkerung in der Nachbarschaft von Kernkraftwerken (KKW) ausgesetzt ist, beträgt weniger als einen Hundertstel der natürlichen Dosis.

Künstliche Strahlung tritt aber nicht nur in Kernreaktoren auf. In der Medizin, in Industrie, Wissenschaft und Umweltforschung ist sie für zahlreiche Anwendungen unentbehrlich geworden.

          Bei vielem, dem wir im Alltag begegnen, ist Radioaktivität im Spiel. (Bild: Nagra)      
Bei vielem, dem wir im Alltag begegnen, ist Radioaktivität im Spiel. (Bild: Nagra)

Weitere Informationen zu den Anwendungen von Radioaktivität finden Sie hier.

Für weitere Informationen zur Überwachung der Radioaktivität klicken Sie hier.

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Verschiedene Arten von Strahlung

Radioaktive Strahlung tritt auf, wenn sich die Atomkerne radioaktiver Stoffe in andere Atomkerne umwandeln (siehe Randspalte rechts). Bei diesen Umwandlungen treten drei Arten von Strahlung auf: Alpha-, Beta- und Gammastrahlung. Die drei Strahlungsarten unterscheiden sich in ihren Eigenschaften und wirken auch unterschiedlich: Bei der Alpha- und Beta-Strahlung sind Atomteilchen beteiligt. Bei der Gamma-Strahlung dagegen handelt sich dem Wesen nach um sehr energiereiches Licht.

          Radioaktivität: Unterschiedliche Strahlungen mit unterschiedlicher Stärke und Reichweite. (Quelle: Nagra)      
Radioaktivität: Unterschiedliche Strahlungen mit unterschiedlicher Stärke und Reichweite. (Quelle: Nagra)

Alpha- und Beta-Strahlung haben geringe Reichweiten. Sie lassen sich gut abschirmen: Um die schweren Alpha-Teilchen zu stoppen, reicht ein Blatt Papier. Bei Beta-Strahlung sind dazu zehn Blätter Papier oder eine Aluminiumfolie nötig. Anders sieht es bei der Gamma-Strahlung aus: Da sie keine Materie besitzt und sehr energiereich ist, wirkt sie durchdringend. Um sie abzuschirmen, sind Bleiplatten oder Betonwände nötig.

Wird der menschliche Körper (oder Materie allgemein) mit Alpha-, Beta- oder Gamma-Strahlung bestrahlt, so wird dieser selbst nicht radioaktiv – genauso wie ein Patient nach einer Röntgenaufnahme selbst nicht strahlt.

Neben Alpha-, Beta- und Gamma-Strahlung gibt es als Spezialfall auch noch die Neutronenstrahlung. Sie wird oft künstlich erzeugt und ist beispielsweise für den Betrieb der Reaktoren in den Atomkraftwerken sehr wichtig. Sie ist wie die Gammastrahlung sehr durchdringend.

Auch in der Natur existiert Neutronenstrahlung – sie entsteht zum Beispiel in den oberen Schichten der Atmosphäre. Verursacht wird sie dort von Teilchen aus dem Weltraum, die einzelne Neutronen aus den Atomkernen in der Luft schlagen.

Weitere Informationen zum Thema Strahlen und Strahlenschutz finden Sie in der Broschüre «Radioaktivität und Strahlenschutz» des Bundesamts für Gesundheit.

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Halbwertszeit: von extrem kurz bis extrem lange

Radioaktive Stoffe sind instabil und können auf Dauer nicht existieren. Die Zeitdauer, die verstreicht, bis die Hälfte einer gegebenen Menge von Atomen zerfallen ist und sich damit auch die radioaktive Strahlung halbiert hat, nennt man Halbwertszeit.

Jede radioaktive Atomsorte (Isotop) hat eine eigene Halbwertszeit. Es gibt in der Natur radioaktive Isotope mit einer Halbwertszeit von einem Sekundenbruchteil und andere mit Halbwertszeiten von Milliarden von Jahren. Die Uranisotope beispielsweise haben teils sehr lange Halbwertszeiten. Deshalb sind das Uran-235 und besonders das extrem langlebige Uran-238 heute noch auf der Erde vorhanden.

Variante (Isotop)HalbwertszeitStrahlungsart
Uran-234ca. 245'500 JahreAlpha- und Gamma-Strahlen
Uran-235ca. 700 Millionen JahreAlpha- und Gamma-Strahlen
Uran-238ca. 4.5 Milliarden JahreAlpha- und Gamma-Strahlen

Die Anzahl Umwandlungen («Zerfälle») pro Sekunde gibt die Strahlungsintensität (Aktivität) eines radioaktiven Stoffs an. Sie wird in der Einheit Becquerel angegeben. Viele Umwandlungen pro Sekunde bedeuten eine hohe Anzahl Becquerel, wenige Umwandlungen eine tiefe.

Ob ein Stoff stark oder schwach radioaktiv ist, hängt davon ab, ob er sich schnell oder langsam umwandelt. Hochradioaktive Stoffe wandeln sich schnell mit vielen radioaktiven Zerfällen pro Sekunde um (hohe Anzahl Becquerel). Entsprechend kurz ist ihre Halbwertszeit.

Schwach radioaktive Stoffe wie das Uran-235 und Uran-238 zeigen dagegen nur wenige radioaktive Zerfälle pro Sekunde (tiefe Anzahl Becquerel) und daher sehr lange Halbwertszeiten – im Fall von Uran-238 entspricht die Halbwertszeit dem Alter der Erde.

Zerfallsgesetz: Die Hälfte der Hälfte der Hälfte ...

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21. Juni 2010: Jahresrevision abgeschlossen

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